Alte Artikel aufwerten: KI-Infografiken in Chargen statt einzeln
Auf fast jedem Blog liegen Artikel, die inhaltlich gut sind, aber aussehen wie eine Textwand. Sie einzeln mit Grafiken zu ergänzen, scheitert meist am Aufwand: Konzept, Gestaltung, Alt-Text, Einbau und Kontrolle, jedes Mal von vorn.
Ich habe diese Woche fünf Bestandsartikel auf einmal mit zehn Infografiken ergänzt, in einer Charge statt Artikel für Artikel. Die KI hat Konzept, Grafiken und Alt-Texte vorbereitet, ich habe geprüft und freigegeben. Hier ist der Ablauf, die Datenlage zum Effekt und die Punkte, an denen du aufpassen musst.

Warum sich Bilder in alten Artikeln lohnen
Die bisher größte Auswertung dazu stammt von Raptive. Das Unternehmen hat über 16 Monate rund 103.000 überarbeitete Seiten analysiert. Im Vergleich mit ähnlichen, nicht überarbeiteten Seiten wuchs der Google-Traffic der überarbeiteten im Schnitt um 28 %, der Traffic der Vergleichsgruppe nur um 9 %.
Interessant ist die Aufschlüsselung nach Art der Änderung. Unter allen Änderungsarten zeigten Seiten mit geänderten Bildern den größten Zuwachs: im Schnitt 14 %, ausgewertet über 28.000 Seiten. Das ist mehr als bei Änderungen an Titel oder Text.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Erstens ist das eine Korrelation, kein Beweis. Wer Bilder überarbeitet, ändert oft noch mehr an der Seite. Zweitens gibt es eine Falle beim Datum. Google fragt in seinen Leitlinien zu hilfreichen Inhalten ausdrücklich, ob du das Datum einer Seite änderst, damit sie frisch wirkt, obwohl sich der Inhalt kaum geändert hat. Eine Grafik, die nur dekoriert, ist kein Grund für ein neues Datum. Eine Grafik, die einen Ablauf erklärt, den der Text bisher nur umständlich beschrieben hat, eher schon.
Warum in Chargen statt einzeln
Angefangen habe ich mit einem Pilot: drei Artikel, jeder mit eigenem Konzept und drei Einzelfreigaben. Das funktioniert, ist aber zäh. Für einen Bestand von 50 oder mehr Artikeln taugt es nicht.
Deshalb arbeite ich jetzt in Chargen von drei bis fünf Artikeln aus einem Themenfeld. Die erste echte Charge umfasste fünf Artikel rund um Entitäten und Retrieval, darunter Entity Recognition und Query Fan-Out. Die KI hat 15 Grafiken vorgeschlagen, ich habe 10 behalten: zwei pro Artikel, höchstens eine pro Hauptabschnitt. Die gestrichenen Vorschläge waren nicht falsch. Sie haben nur nichts erklärt, was der Text nicht schon klar sagt.
Der Vorteil der Charge liegt in der Bündelung:
- Ein Konzept für alle Artikel statt fünf getrennter Abstimmungen.
- Ein einheitlicher Stil, weil alle Grafiken aus denselben Vorlagen entstehen.
- Eine Vorschau pro Artikel, in der Grafiken und Text zusammen zu sehen sind.
- Ein Go je Artikel, das Hochladen, Einbauen und Prüfen in einem Lauf erledigt.

Was die KI macht und was nicht
Die KI liest jeden Artikel der Charge und schlägt pro Grafik vor: Motiv, Abschnitt, Bildtitel, Alt-Text und einen Prüfhinweis. Der Prüfhinweis hält fest, was die Grafik nicht behaupten darf. Ein Beispiel aus der Charge: „Beispiele stammen aus dem Artikel, keine Aussage über die Pipeline eines konkreten Suchsystems.“ Dazu kommt eine Zeile, warum die Grafik überhaupt etwas beiträgt. Fehlt diese Begründung oder klingt sie dünn, fliegt der Vorschlag raus.
Was die KI nicht macht: Bilder mit einem Bildgenerator malen. Die Grafiken entstehen als Code (SVG) und werden daraus gerendert. Das hat drei Folgen. Jeder Buchstabe stimmt, weil kein Modell Text in ein Bild halluziniert. Die Begriffe kommen direkt aus dem Artikel. Und eine Korrektur ist eine geänderte Zeile statt eines neuen Prompts mit ungewissem Ergebnis.
Ein Fehler gehört zur ehrlichen Bilanz. Die Grafiken trugen anfangs eine Nummer wie „1/3“. Nachdem ich ein Drittel der Vorschläge gestrichen hatte, stimmte die Zählung nicht mehr. Einen bereits eingebauten Artikel habe ich deshalb zurückgerollt und neu eingebaut. Seitdem verzichten die Grafiken auf Nummern.
Damit Google und Screenreader die Grafik verstehen
Eine Infografik ist für Google und für blinde Leser zunächst nur ein Bild. Ob sie zum Verständnis beiträgt, hängt an drei Regeln:
- Der Alt-Text beschreibt die Aussage, nicht das Aussehen. Google nennt das Alt-Attribut das wichtigste Bildattribut für die Suche und warnt zugleich vor Keyword-Stuffing.
- Die Grafik steht neben dem Text, den sie erklärt. Das empfiehlt Google in seinen Best Practices für Bilder ausdrücklich. Das W3C rät bei komplexen Grafiken zusätzlich, die Kernaussage im Fließtext zusammenzufassen, damit sie auch ohne Bild verständlich bleibt.
- Sprechende Dateinamen wie
query-fan-out-ablauf.webpstattgrafik1.webp. Das Format WebP versteht Google problemlos.

Wer doch einen Bildgenerator nutzt, sollte die Metadaten im Blick behalten. Google kann über IPTC- und C2PA-Angaben in „Über dieses Bild“ anzeigen, ob ein Bild mit KI erzeugt wurde.
So startest du deine erste Charge
- Nimm drei bis fünf Artikel aus einem Themenfeld, am besten solche mit Traffic, aber ohne eigene Grafiken.
- Lass die KI pro Artikel ein bis drei Vorschläge mit Abschnitt, Alt-Text und Prüfhinweis machen. Streich großzügig.
- Sieh dir jede Grafik in der Vorschau an, auch in Handybreite.
- Gib jeden Artikel einzeln frei und schau ihn danach live an.
Das Datum änderst du nur, wenn der Artikel wirklich etwas Neues erklärt. Dann darf es auch drinstehen.

